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Platz für Zukunft?
Umnutzungspotenziale der Leipziger industriekultur

Projekt

Masterthesis, TU Berlin 2024

Betreuung

Prof. Ralf Pasel, Tobias Rabold

Ort

Leipzig, DE

Programm

Kunst, Kultur, Veranstaltung, Arbeiten

Größe

ca. 8.000 m2 BGF

Die ehemalige Maschinenfabrik Philipp Swiderski in Plagwitz gehört zu einem der letzten Fabrikgebäude des ausgehenden 19. Jahrhunderts in Leipzig, welches durch 40 Jahre Leerstand und Verfall akut bedroht ist. Trotz des Denkmalschutzstatus gibt es jedoch immer noch keine Antwort auf die zukünftige Nutzung und die zunehmende Zerstörung des Gebäudes.

Mit dieser Arbeit soll ein Szenario aufgezeigt werden, wie mit dem historischen Bestand umgegangen werden kann, um den Erhalt und eine Umnutzung des Industriekulturerbes zu ermöglichen. Dabei stehen Fragen nach den Flächenpotenzialen der bereits gebauten Umwelt, dem Umgang mit der Typologie der Industriehalle sowie der historischen und sozialen Bedeutung des Ortes im Zentrum.

Die Fabrik wird als ein Ort der kreativen Entfaltung, des Ausprobierens und der Bildung imaginiert, welcher durch ein breites Angebot an Funktionen und dem großen Flächenpotenzial eine niedrigschwellige Zugänglichkeit zu Kunst, Kultur und Handwerk für alle Teile der Gesellschaft ermöglichen soll.

Der Fokus liegt hierbei auf den drei wesentlichen Gebäudeteilen der Fabrik, welche programmatisch neu interpretiert werden und durch die neuen Interventionen einen jeweils eigenen Charakter erhalten.

Die Halle A, die ehemalige Montagehalle im Norden des Areals, beherbergt offene Werkstätten zur freien Nutzung, flexible Projekträume sowie einen zentralen Veranstaltungsbereich mit Gastronomie, der Platz für Ausstellungen und Performance bietet. 

Die im Süden liegende Halle B wird zur Arbeitsstätte für professionelle Kunst- und Kulturschaffende transformiert und beinhaltet großzügige Atelierräume, Ausstellungsflächen und Co-Working-Bereiche. 

Der überdachte Zwischenhof dient als neuer zentraler Erschließungsraum und Ort für informellen Austausch. Ein skulpturaler Steg verbindet die beiden Hallen miteinander und ermöglicht zugleich die vertikale Erschließung.

Neue Baukörper, die frei in den Bestandshallen verteilt sind, beherbergen das neue Programm, während die Atmosphäre der Fabrikhallen erhalten bleiben. Die dabei entstehenden Zwischenräume können flexibel bespielt werden und dienen als Erweiterungsflächen der neuen Nutzungen.

Als übergreifendes Gestaltungsprinzip der neuen Baukörper wird die historische Materialität der Fabrik neu interpretiert. Die Sockel aus massiven Stampflehmwänden, soll an die historischen Ziegelwände erinnern. Ein transluzenter Aufsatz auf den Sockeln setzt sich aus einem Stahltragwerk und einer Profilbauglas-Fassade zusammen. Hier wird das filigranen Bestandstragwerk der Hallen und die historischen Glasbaustein-Trennwändeaufgenommen.

Durch die Transformation soll die Maschinenfabrik zu einem integrativen Ort für Alle werden und als Zentrum für Kunst, Kultur und Handwerk einen neuen Baustein für ein stadtweites Netzwerk der Bildung und des Austauschs darstellen.

Platz für Zukunft?
Umnutzungspotenziale der Leipziger industriekultur

Projekt
Betreuung
Ort
Nutzung
Größe

Masterthesis, TU Berlin 2024
Prof. Ralf Pasel, Tobias Rabold
Leipzig, DE
Öffentlich (Kunst & Kultur)
ca. 8.000 m2 BGF

Die ehemalige Maschinenfabrik Philipp Swiderski in Plagwitz gehört zu einem der letzten Fabrikgebäude des ausgehenden 18. Jahrhunderts in Leipzig, welches durch 40 Jahre Leerstand und Verfall akut bedroht ist. Neben der informellen Aneignung der Fabrik von Jugendlichen als Treffpunkt, nutzen auch andere Akteur*innen die Fabrik immer wieder als atmosphärischen Ort für Fotografie, Film und Kunst. Trotz des Denkmalschutzstatus gibt es jedoch immer noch keine Antwort auf die zukünftige Nutzung und die zunehmende Zerstörung des Gebäudes.

Mit dieser Arbeit soll ein Szenario aufgezeigt werden, wie mit dem historischen Bestand umgegangen werden kann, um den Erhalt und eine Umnutzung des Industriekulturerbes zu ermöglichen. Dabei stehen Fragen nach den Flächenpotenzialen, dem Umgang mit der Typologie der Industriehalle sowie der historischen und sozialen Bedeutung des Ortes im Zentrum. Die ehemaligen Fabrik wird als Ort der kreativen Entfaltung, des Ausprobierens und der Bildung imaginiert, welcher durch ein breites Angebot an Funktionen und dem großen Flächenpotenzial eine niedrigschwellige Zugänglichkeit zu Kunst, Kultur und Handwerk für alle Teile der Gesellschaft ermöglichen soll.

Der Fokus liegt hierbei auf den drei wesentlichen Gebäudeteilen der Fabrik, welche programmatisch neu interpretiert werden.
Die Halle A im Norden des Areals beherbergt verschiedene offene Werkstätten zur freien Nutzung, flexible Projekträume sowie einen zentral verorteten Veranstaltungsbereich, der Raum für Ausstellungen und Performance bietet.
Die im Süden liegende Halle B wird zur Arbeitsstätte für professionelle Kunst- und Kulturschaffende transformiert und beinhaltet großzügige Atelierräume, Ausstellungsflächen und Co-Working-Bereiche.
Der überdachte Zwischenhof dient als neuer zentraler Erschließungsraum, welcher die beiden Hallen miteinander verknüpft und einen Ort für informellen Austausch bietet. Durch verschiedene neue Baukörper, die in den Bestandshallen verteilt sind, wird die neue vielseitige Nutzung möglich, während der Charakter und die Atmosphäre der Fabrikhallen erhalten bleiben. Die dabei entstehenden Zwischenräume können flexibel bespielt werden und dienen als Erweiterungsflächen der primären Funktionskörper. Durch eine verspielte Gegenüberstellung von Alt und Neu wird eine Spannung erzeugt, die den historischen Bestand neu in Szene setzt.

Als übergreifendes Gestaltungsprinzip der neuen Baukörper wird die historische Materialität der Fabrik neu interpretiert. Dabei gliedert sich die Fassade der Baukörper in zwei Teile: Einem Sockel aus massiven Stampflehmwänden, der an die Ziegel der Bestandsfassade erinnert, und einem transluzenten Aufsatz, welcher auf dem Sockel steht. Dieser setzt sich aus einem Stahltragwerk zusammen, welches Bezug zum filigranen Bestandstragwerk der Hallen nimmt, und einer vorgehängten Fassade aus transluzenten Profilbauglas-Elementen, welche auf die Glasbausteine der Trennwände und das Glasdach des Zwischenhofs verweisen.

Durch die Transformation soll die Maschinenfabrik zu einem integrativen Ort für Alle werden und als Zentrum für Kunst, Kultur und Handwerk einen neuen Baustein für ein stadtweites Netzwerk der Bildung und des Austauschs darstellen.

„Eine neue Schönheit zieht herauf, die – das ist keine Frage – gerade auch in den Industriebauten selbst ihren machtvollsten Ausdruck findet.“

Hans Poelzig
Die architektonische Entwicklung des Fabrikbaus, 1930

Drei Hallen — Drei Charaktere

Mit der Transformation der ehemaligen Fabrik soll ein Ort der kreativen Entfaltung, des Ausprobierens und der Bildung entstehen, wobei eine niedrigschwellige Zugänglichkeit zu Kunst, Handwerk und Kultur ermöglicht werden soll. Hierfür wird das gesamte Fabrikareal programmatisch neu gedacht. Die historische Bausubstanz wird erhalten und durch bauliche Interventionen im Bestand ergänzt. Die primären Nutzungsbereiche wie Werkstätten, Veranstaltungsbereiche, Ateliers und informelle Treffpunkte befinden sich in den großen Hallen.
Dabei erhalten die drei Hallen jeweils unterschiedliche Charaktere.

Die Halle A ist geprägt von neuen, frei im Raum positionierten Baukörpern. Diese gliedern die Halle und schaffen kleinere Funktionsbereiche für die Werkstätten. Die verspielte Anordnung soll die freie Nutzung und die Möglichkeit des Ausprobierens verdeutlichen.

Die Glashalle wird zum zentralen Foyer der Fabrik. Inseln mit intensiver Begrünung gliedern das Erdgeschoss und verstärken das Bild, dass der Raum sowohl als Innen- als auch als Außenraum erscheint. Ein skulpturaler Steg dient als Erschließung und Verbindung der beiden angrenzenden Hallen.

Die Halle B wird vollständig entkernt und durch einen neuen, zweigeschossigen Baukörper ergänzt, der einen umlaufenden Abstand zu den historischen Fassaden hält und so einen Dialog zwischen Alt und Neu eröffnet. Diese Zwischenzone dient zusätzlich als klimatischer Puffer und Ausstellungsfläche.

Platz für Zukunft - Übersicht Revitalisierung - Janek von Zabern - Masterthesis Maschinenfabrik Philipp Swiderski Leipzig

Montagehalle B

Glashalle

Montagehalle A

Veranstaltung

Der Veranstaltungsbereich in Halle A ermöglicht das Ausstellen eigener Arbeiten und Projekte und soll als frei nutzbare Fläche die Arbeitsbereiche ergänzen.

Dabei wird der bestehende Boden herabgesetzt und Teile der Galerie im Norden entfernt, um einen großzügigen Raum zu schaffen, der die komplette Höhe der Halle ausnutzt. Ergänzt wird der Raum durch einen zweigeschossigen Baukörper, der ein Café und Nebenräume enthält. Sitzstufen entlang des Höhenversprungs der Bodenplatte laden zum Verweilen ein.

Während Veranstaltungen lässt sich der Bereich vollständig durch schwere Vorhänge vom restlichen Hallenraum abtrennen, um akustische und visuelle Konflikte mit den anderen Nutzungsbereichen zu vermeiden.

 

Werkstatt

Die Werkstätten gliedern sich in zwei Nutzungscluster: den handwerklichen Bereich und den künstlerischen Bereich. Sie sollen den Nutzer*innen frei zur Verfügung stehen und zum Ausprobieren einladen.

Besonders wichtig ist dabei die niederschwellige Zugänglichkeit, sodass alle interessierten Menschen die Chance erhalten, sich kreativ auszuprobieren.

Die Werkstattbereiche werden durch Projekträume im Galeriegeschoss ergänzt. Diese flexibel abtrennbaren Arbeitsräume können für einen bestimmten Zeitraum genutzt werden, um eigene Projekte oder Workshops zu realisieren.

 

Platz für Zukunft - Rendering Werkstatt - Janek von Zabern - Masterthesis Maschinenfabrik Philipp Swiderski Leipzig
Platz für Zukunft - Axonometrie Zoom-In Werkstatt - Janek von Zabern - Masterthesis Maschinenfabrik Philipp Swiderski Leipzig

Foyer

Die Glashalle wird zum neuen Foyer zwischen den beiden Hallen. Informelle Treffpunkte im Grünen sowie kleinere Bereiche für Veranstaltungen, Ausstellungen oder Workshops sollen den Wissensaustausch zwischen den Nutzer*innen fördern und ermöglichen.

Ein Steg, der scheinbar frei im Zwischenhof schwebt, inszeniert die neue Erschließung der beiden Hallen und gewährleistet einen barrierefreien Zugang zu den Obergeschossen.

Durch das teilweise Entfernen der bestehenden Verglasung der Überdachung wird die Ambivalenz des Hofs als Innen- und Außenraum zugleich verstärkt, sodass Witterung und Jahreszeiten für die Besucher*innen erlebbar werden.

 

Ateliers

Die Halle B beherbergt Arbeitsräume für professionelle Kunst- und Kulturschaffende. Diese gliedern sich in großzügige Einzelateliers und geteilte Co-Working-Ateliers.

Der neue Baukörper löst sich vollständig von der bestehenden Fassade und erzeugt eine umlaufende Pufferzone, in der sich Neu und Alt gegenüberstehen. Diese dient nicht nur als klimatischer Puffer, sondern kann auch von den Nutzer*innen als erweiterte Ausstellungsfläche und Kommunikationszone genutzt werden.

Während das Erdgeschoss als massiver Baukörper ausgebildet ist, wirkt das Obergeschoss durch die transluzente Hülle leicht und lässt schemenhaft die Bewegungen der Nutzer*innen erkennen.

 

Material & Konstruktion

Als übergreifendes Gestaltungsprinzip der neuen Baukörper wird die historische Materialität der Fabrik neu interpretiert.
Die Fassade der Baukörper gliedert sich dabei in zwei Teile:

Einen Sockel aus massiven Stampflehmwänden, der an die Ziegel der Bestandsfassade erinnert, und einen transluzenten Aufsatz, der auf dem Sockel ruht. 

Dieser setzt sich aus einem Stahltragwerk zusammen, das Bezug zum filigranen Bestandstragwerk der Hallen nimmt, sowie einer vorgehängten Fassade aus transluzenten Profilbauglas-Elementen, die auf die Glasbausteine der Trennwände und das Glasdach des Zwischenhofs verweisen.